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Wo Krieg zerstört hat, wird der Boden für Frieden bereitet

Fortsetzung zu „Der Beitrag der Kunst zur unverzichtbaren Erinnerungskultur“

1949 – 52 wurden die Ehrenfriedhöfe in Vossenack und Hürtgenwald angelegt. Insgesamt 5.348 Leichname von überwiegend jungen Soldaten, die in einer der größten Schlachten auf deutschem Gebiet während des zweiten Weltkrieges zwischen September 1944 und Februar 1945 gefallen sind, wurden hier würdevoll zur letzten Ruhe gebettet.

Dieses Mahnmal, der Ehrenfriedhof in Vossenack, hat eine einzigartige Resonanz erfahren. 1967 war ich Schüler im deutschen Franziskaner-Internat in Exaten in der Nähe von Roermond. In diesem Jahr wurde das Gymnasium St. Franziskus mit angeschlossenem Schülerinternat und Kloster gegründet, in das wir umgezogen sind. Uns Schülern wurde, so habe ich es zumindest in Erinnerung, als Begründung für die Standortwahl neben dem Ehrenfriedhof genannt, dass an der Stelle, wo so viele junge Menschen begraben wurden, neues Leben entstehen soll.

Am 4.7.2014 veranstalten Schüler und LehrerInnen die Aktion „Friedenstaube“, ein Kunstwerk der ganz besonderen Art. Damit wird eindrucksvoll das Kunstwerk von Gymnasium und Ehrenfriedhof mit Leben erfüllt, ein ganz besonderer Beitrag zur Erinnerungskultur unseres Landes.

Das Foto zeigt rechts die Anlage von Kirche mit Kloster am rechten Rand, und nach oben folgen Internat und St.-Franziskus-Gymnasium. Links sehen wir schon die Friedenstaube, gebildet von Schülern und LehrerInnen des Gymnasiums in einer geschlossenen Menschenreihe.

Im Sinne der Mehrgenerationenperspektive ist es mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass nicht nur junge Menschen gefallen sind, um die Angehörige und Freunde trauern. Heute bin ich selbst Vater und Großvater, und alle, die dort begraben liegen, wären gleich mir gerne Väter und Großväter geworden. Die Zahlen beziehen sich auf eine durchschnittliche Reproduktionsrate von 1.5. Trotz des mehr als fünfzigjährigen Bestehens des Gymnasiums sind heute noch nicht annähernd so viele junge Menschen mit der Matura ins Leben entlassen worden, wie damals als junge Soldaten gefallen sind.

Erinnern – Gedenken – Verantworten steht unter dem Bild, wie die Ausschnittvergrößerung auf dem darauf folgenden Bild zeigt.

Wo die Opfer von mit den längsten und verlustreichsten Gefechte des zweiten Weltkrieges auf deutschem Boden begraben liegen, stehen Schüler, unsere Zukunft, und mahnen!

Der Grundgedanke, dass neues Leben entstehen soll, wo so viele junge Menschen begraben werden mussten, ist mit dem Gesamtkunstwerk aus Kloster, Internat und Gymnasium gelungen. Mit der Aktion „Friedenstaube“ erhielt es zusätzlich eine herausragende Bedeutung als lebendiges Mahnmal.

Dr. Wolfgang Hagemann

 

Dieses ausgearbeitete Manuskript besteht aus drei Teilen, lesen Sie mehr dazu unter:

Teil I: Wie Kunst die Resilienz der Traumaopfer durch Anerkennen und Mahnen stärken kann

Teil II: Der Beitrag der Kunst zur unverzichtbaren Erinnerungskultur

[1] Dieses Manuskript beinhaltet entweder Fotos von Tafeln, die den Weg vom Parkplatz des Ehrenfriedhofs zum Kreuz und der Begräbnisstätte  säumen oder von dem Ehrenfriedhof, die ich selbst gemacht habe.